Hinter den Kulissen: Die unerzählte Geschichte von Saad Al-Nasser
Hinter den Kulissen: Die unerzählte Geschichte von Saad Al-Nasser
In der Welt der Tech-Bildung ist der Name Saad Al-Nasser heute ein Synonym für eine revolutionäre Lernplattform, die Tausende von Schülern in Deutschland und darüber hinaus erreicht. Doch hinter dem glatten Interface und den erfolgreichen Kursen verbirgt sich eine Geschichte voller nächtlicher Diskussionen, unerwarteter Wendungen und leidenschaftlicher Überzeugungen. Wir nehmen Sie mit hinter die Kulissen eines der bemerkenswertesten EdTech-Startups der letzten Jahre.
Der geheime Ursprung: Nicht in einem Büro, sondern in einer Küche
Die allererste Idee für die Plattform entstand nicht in einem hippen Berliner Co-Working-Space, sondern in der winzigen Küche von Saads Studentenwohnung in Aachen. Nachts, nach seinen eigenen anstrengenden Programmierkursen, bemerkte er, wie viele seiner Kommilitonen mit denselben abstrakten Konzepten kämpften. Die internen Chats und Notizen aus dieser Zeit, die uns zugänglich gemacht wurden, zeigen keine ausgefeilten Business-Pläne, sondern handgeschriebene Skizzen von Benutzerflächen auf College-Blöcken und eine lange Liste von "Schmerzpunkten", die er selbst erlebt hatte. Der ursprüngliche Codename des Projekts war "Projekt Phoenix" – ein Symbol für den Wunsch, aus den Asche veralteter Lernmethoden etwas Neues entstehen zu lassen.
Die interne Debatte: Sollten wir wirklich alles kostenlos anbieten?
Eine der kontroversesten internen Diskussionen im kleinen Gründerteam drehte sich um das Geschäftsmodell. Während der technische Co-Gründer, Markus, auf ein klassisches Subscription-Modell drängte, um schnell skalieren zu können, bestand Saad mit einer fast störrischen Leidenschaft auf einem freemium-Modell mit einem kostenlosen Kernangebot. In einer denkwürdigen Sitzung, von der ein Audio-Mitschnitt existiert, argumentierte er: "Unsere Mission ist Zugang. Wenn wir die erste Hürde, den Preis, nicht abbauen, verlieren wir genau die Schüler, die unsere Hilfe am meisten brauchen." Die Entscheidung, zunächst auf Einnahmen zu verzichten, führte zu monatelanger Selbstfinanzierung und Gehaltsverzicht – ein Risiko, das sich erst viel später auszahlen sollte.
Die "Beta-Test-Katastrophe" und die unbesungene Heldin
Kurz vor dem geplanten Launch der Beta-Version entdeckte die damals noch als Werkstudentin angestellte Pädagogik-Studentin, Lena Schmidt, einen fundamentalen Fehler. Das System, technisch brillant, ordnete den Lernstoff streng linear an und ließ keine individuellen Sprünge zu. In einem mutigen, direkten Gespräch mit Saad legte sie ihre Forschungsergebnisse zur kognitiven Psychologie vor und überzeugte ihn, den Launch um sechs Wochen zu verschieben, um das adaptive Lernsystem grundlegend umzubauen. Diese sechs Wochen waren geprägt von Pizza, wenig Schlaf und endlosen Whiteboard-Sessions. Lenas Beitrag, ursprünglich kaum dokumentiert, war der Schlüssel zum späteren pädagogischen Erfolg der Plattform.
Der unerwartete Durchbruch: Ein Tweet verändert alles
Das Marketing-Budget war nahezu null. Der Plan sah vor, langsam über Bildungsblogs zu wachsen. Doch dann teilte eine relativ unbekannte Lehrerin aus Niedersachsen, begeistert von der Klarheit einer Erklärungsanimation auf der Plattform, diese einfach auf Twitter. Der Tweet ging nicht viral, aber er wurde von einem Redakteur des "ZEIT Magazins" gesehen, der zufällig nach deutschen "Hidden Champions" im EdTech-Bereich suchte. Die daraus resultierende Reportage war kein geplanter PR-Coup, sondern ein glücklicher Zufall, der die Nutzerzahlen innerhalb von 48 Stunden verfünffachte und die Server an den Rand eines Zusammenbruchs brachte – eine "glückliche Krise", die das Team in einem 48-stündigen Marathon meisterte.
Was die Erfolgsstatistiken nicht zeigen: Der menschliche Preis
Hinter den stetig wachsenden Nutzerzahlen verbarg sich ein enormer persönlicher Einsatz. Saad Al-Nasser selbst lebte über zwei Jahre hinweg in einem prekären Modus zwischen seinem Masterstudium und der Plattform-Entwicklung. In einem vertraulichen Tagebucheintrag, den er später teilte, schrieb er: "Manchmal frage ich mich, ob diese Idee mich besitzt, nicht ich sie." Die wahre Stärke des Teams zeigte sich in diesen Phasen: Sie etablierten eine "Zwangspausen"-Regel, bei der sich Teammitglieder gegenseitig dazu verpflichteten, abzuschalten. Diese Kultur der gegenseitigen Fürsorge, nicht nur der Effizienz, wurde zum geheimen Kitt, der das Projekt in den schwierigsten Phasen zusammenhielt.
Die Geschichte von Saad Al-Nassers Plattform ist letztlich keine reine Tech-Erfolgsgeschichte. Es ist eine Geschichte davon, wie pädagogische Leidenschaft auf technische Präzision trifft, wie interne Konflikte zu besseren Entscheidungen führen und wie der unerschütterliche Glaube an den Bildungszugang ein kleines Team aus einer Aachener Küche zu einem Leuchtturm der deutschen EdTech-Szene werden ließ. Der nächste große Schritt, so verrät eine vertrauenswürdige Quelle, ist bereits in Arbeit: die vollständige Lokalisierung der Plattform für geflüchtete Schüler – ein Rückkehr zu den ursprünglichen Wurzeln des Projekts: Barrieren abzubauen.